Wenn wir darüber sprechen, was uns im Arbeitsalltag Energie raubt, fallen meist schnell die bekannten Dinge ein:

  • zu viele Meetings,
  • ständige Unterbrechungen,
  • Aufgaben-Hopping oder
  • generell zu hohe Arbeitslast.

Und natürlich kosten auch größere Themen Kraft. Entlassungen, Unsicherheit oder tiefgreifende Veränderungen in Unternehmen gehen nie spurlos an Mitarbeitenden vorbei. Zum Glück achten viele Unternehmen gerade bei solchen Prozessen inzwischen bewusster darauf, wie sie Mitarbeitende mitnehmen und Führungskräfte vorbereiten können.

Auf diese offensichtlichen Belastungen schauen wir also immer mehr. Was dabei leider gerne übersehen wird, sind die vielen kleinen Dinge im Arbeitsalltag, die ebenfalls Energie kosten oft leise, unscheinbar und über lange Zeit.

Die kleinen Dinge, die sich summieren

Manchmal reicht ein unbedachter Satz im Vorbeigehen, eine Reaktion, die kühler ausfällt als erwartet, das Gefühl, mit einer Idee nicht gehört zu werden oder der Eindruck, ständig funktionieren zu müssen, ohne wirklich Handlungsspielraum zu haben.

Nicht alles davon muss objektiv „schlimm“ sein, um Wirkung zu entfalten. Oft reicht schon das persönliche Erleben einer Situation, damit das eigene Energielevel sinkt.

Hinzu kommt etwas, das von außen kaum sichtbar ist:
Viele Menschen tragen im Arbeitsalltag eine Art Maske. Sie versuchen, besonders souverän, belastbar oder angepasst zu wirken, vielleicht, um ernst genommen zu werden, dazuzugehören oder die nächste Beförderung zu erreichen.

Doch eine solche Rolle dauerhaft aufrechtzuerhalten, kostet Kraft. Sehr viel Kraft sogar.
Und oft merkt das Umfeld davon kaum etwas.

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Warum die negativen Dinge stärker wirken

Jetzt könnte man sagen: Es gibt doch genauso viele positive Momente.

  • Ein Lob im Vorbeigehen.
  • Ein Meeting, das richtig gut läuft.
  • Eine gelungene Zusammenarbeit.
  • Ein ehrliches Dankeschön.

Und ja, diese Momente gibt es.

Leider verarbeitet unser Gehirn negative Erfahrungen oft intensiver als positive. Während kleine positive Momente schnell als selbstverständlich wahrgenommen werden, bleiben die kleinen negativen Erfahrungen häufig länger hängen. Sie beschäftigen uns, wirken nach und summieren sich im Laufe der Zeit.

Manchmal reicht am Ende eines Tages ein einziger schwieriger Moment und plötzlich fühlt sich alles andere weniger relevant an.

So entsteht irgendwann ein Ungleichgewicht:
Die vielen kleinen Energieräuber werden zu einem großen Berg, während die positiven Momente kaum noch bewusst wahrgenommen werden, obwohl sie ebenfalls da sind unter Umständen sogar häufiger als die negativen.

Woran man merkt, dass sich diese Dinge bereits summieren

Der Berg wächst nicht von heute auf morgen, das passiert schleichend. Und gerade die kleinen Dinge fühlen sich schon fast normal an. Dennoch gibt es Anzeichen, die man bemerken kann:

  • Du merkst vielleicht selbst, dass du schnell gereizt reagierst,
  • Dass deine Geduld abnimmt,
  • Du dich nach Gesprächen erschöpft fühlst oder dich innerlich zurückziehst.
  • Vielleicht fällt es dir schwerer, dich zu konzentrieren,
  • Oder du merkst das die kleinste Aufgabe sich plötzlich kaum schaffbar anfühlt.

Und genau hier wird das Thema auch für Führungskräfte spannend. Denn häufig zeigen sich diese Veränderungen nicht nur bei einem selbst, sondern auch im Team:

  • Menschen ziehen sich stärker zurück
  • die Stimmung wird gereizter
  • kleine Missverständnisse nehmen zu
  • Motivation und Eigeninitiative werden weniger
  • Mitarbeitende funktionieren zwar noch, wirken aber innerlich nicht mehr wirklich verbunden

Das Schwierige daran ist: Diese Veränderungen wirken oft unspektakulär. Gerade deshalb werden sie leicht übersehen, obwohl sie langfristig viel Energie kosten können.

Was können Sie als Arbeitgeber tun?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie Sie als Arbeitgeber Ihre Mitarbeiter dabei unterstützen können resilient gegen Burnout zu werden.

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Was persönlich helfen kann

Mir persönlich hilft dabei ein bewusster Perspektivwechsel. Nicht im Sinne von „alles positiv sehen“ oder Probleme schönreden. Sondern indem ich versuche, die Dinge bewusster wahrzunehmen, die mir tatsächlich Energie geben.

Das kann etwas Kleines sein: ein gutes Gespräch, ein ruhiger Moment, ein ehrliches Feedback oder das Gefühl, etwas Sinnvolles geschafft zu haben.

Manchen hilft es, sich abends drei positive Dinge aufzuschreiben.
Andere halten bewusst kurz inne, wenn etwas gut gelaufen ist, statt direkt zum nächsten Punkt weiterzugehen.

Denn auch die positiven Momente brauchen Aufmerksamkeit, damit sie innerlich überhaupt Gewicht bekommen können.

Was Führung im Alltag bewirken kann

Wenn du als Führungskraft merkst, dass die Energie oder Motivation im Team nachlässt, lohnt sich oft ein Blick auf genau diese kleinen Dinge.

Viele Teams sprechen regelmäßig über Aufgaben, Probleme und Zeitpläne.
Deutlich seltener sprechen sie darüber, was gut funktioniert hat, welche kleinen Fortschritte erreicht wurden oder worauf das Team eigentlich stolz sein kann.

Dabei kann genau das einen Unterschied machen.

Vielleicht kann ein Weekly nicht nur aus Statusupdates bestehen, sondern auch Raum dafür bieten:

  • Was hat diese Woche gut funktioniert?
  • Wo haben wir uns gegenseitig gut unterstützt?
  • Welcher kleine Fortschritt war wichtig?

Das mag sich im ersten Moment ungewohnt anfühlen.
Wir sind es oft gewohnt, über Probleme zu sprechen – weniger über das, was gelingt.

Vielleicht steckt dahinter auch ein kulturelles Muster.
Sätze wie „Eigenlob stinkt“ oder, hier in Baden-Württemberg sehr beliebt, „Nicht geschimpft ist genug gelobt“ prägen viele von uns stärker, als wir denken.

Doch gerade im Arbeitsalltag können bewusst wahrgenommene positive Momente ein Gegengewicht schaffen zu den vielen kleinen Dingen, die uns Energie entziehen.

Ein kleiner Impuls zum Schluss

Vielleicht lohnt sich heute einmal eine andere Frage:

Nicht nur:
„Was kostet mich gerade Energie?“

Sondern auch:
„Welche kleinen Dinge geben mir eigentlich Energie und nehme ich sie überhaupt noch bewusst wahr?“

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Du bist so ein großartiger, fröhlicher Mensch. Davon werden noch so viele profitieren.
Danke dir für deine wertvolle Einschätzung Tanja 😊👍