Dieses Jahr hatte ich viele Ideen, wie ich meine Reise gestalten könnte: eine Sprachreise, eine Fernreise – oder den Camino del Norte. Lange konnte ich mich nicht entscheiden. Doch dann kam eine WhatsApp-Nachricht, die mich schließlich auf den Camino geführt hat.
Cindy, meine Zimmerkollegin von der Peru- und Bolivienreise, war am ersten Wochenende meiner Ferien in Paris. Wenn ich den Camino del Norte laufe und mit dem Zug anreise, müsste ich ohnehin in Paris umsteigen. Damit war die Entscheidung gefallen.


Vor sechs Jahren haben wir drei intensive Wochen miteinander verbracht. In dieser Zeit haben wir nicht nur viel erlebt, sondern auch viel über uns selbst, unsere Wünsche und Träume erfahren – und gemeinsam unsere körperlichen Grenzen ausgetestet, etwa beim Aufstieg zum Rainbow Mountain.
Nun also das Wiedersehen nach so vielen Jahren. Und es war, als hätten wir uns nie aus den Augen verloren. Wir haben die sechs, sieben Stunden in Paris fast komplett durchgequatscht, gelacht und die gemeinsame Zeit genossen. Ganz nebenbei haben wir noch Montmartre, Sacré-Cœur, den Place de la Concorde und den Eiffelturm besucht.


Heute war nun also der erste richtige Wandertag. Mit knapp 16km und 500 Höhenmetern eine Herausforderung für mich. Aber eine die sich gelohnt hat. Ein wunderbarer Blick über die Küstenlinie. Und auch die Begegnungen sollten nicht zu kurz kommen. Gleich im ersten Anstieg habe ich Sabrina getroffen, die jetzt in Palermo wohnt, aber ursprünglich aus Indianapolis kommt und natürlich auch Greenwood kennt, die Welt ist klein.
Außerdem sehen die Kühe zwischen denen man hier durchwandert irgendwie anders aus als zu Hause. Und mein Apfel wurde auch sehr interessiert beäugt.

Jetzt genieße die Aussicht!
Weiter geht es nach San Sebastian, aber zuerst muss der Fluss bei Pasai Donibane überquert werden.
Meine Wegbegleitung heute? Zwei Damen aus den USA, die jedes Jahr nach Europa kommen um 3 Wochen zu wandern. Das erste mal 1995!

Zunächst geht es über viele Treppen zum höchsten Punkt für heute, dem Faro de la Plata, durch den Wald des Monte Ulia geht es nun langsam bergab, nachdem man einen ersten Blick auf die Bucht von San Sebastian werfen kann, geht es weiter steil hinab bis an die Küste.
Zunächst geht es über viele Treppen zum höchsten Punkt für heute, dem Faro de la Plata, durch den Wald des Monte Ulia geht es nun langsam bergab, nachdem man einen ersten Blick auf die Bucht von San Sebastian werfen kann, geht es weiter steil hinab bis an die Küste.
Und hier ein kleiner Eindruck von San Sebastian. Die Stadt hat eine super Atmosphäre, bisher konnte ich sie dank einer dicken Erkältung nur den Strand genießen, aber ich komme am Ende meiner Reise noch mal zurück!

Ich bin froh heute wieder laufen zu können. Auch wenn ich mir ganz bewusst nur eine sehr kurze Etappe vorgenommen habe, da meine Erkältung noch nicht ganz weg ist.
In Orio laufe ich bei leichtem Nebel los, aber die Sonne kann man auch schon sehen. Der Nebel löst sich also sicher bald auf.
Durch Weinberge für den Weißwein Txakoli geht es leicht bergauf. Am Campingplatz Grand Camping Zarautz, suche ich den Weg an der Küste entlang, nicht den Jakobsweg, da dieser viel schöner sein soll.
Hier ist auch meine erste Begegnung für heute. Ein Mann spricht mich auf deutsch an, als er sieht das ich den Jakobsweg – Reiseführer in der Hand habe „Hey, den hatte ich auch schon, aber bestimmt 1.000 Ausgaben früher“. Wir kommen ins Gespräch während er auf den Bus wartet und auch er meint, der Weg an der Küste entlang ist wirklich sehenswert.
Die zweite Begegnung heute ist nur ein paar Meter weiter, mit kommt eine spanische Jakobsweg- Geherin entgegen. Ich spreche sie an und frage, ob es da nun doch nicht weitergeht. Da sie sich unsicher ist Fragt sie ein älteres Paar, die beiden bringen uns dann zum richtigen Weg, der an der Küste entlang führt.


Und jetzt braucht es erstmal etwas Vorstellungskraft, denn man hört die Wellen brechen und das Meer rauschen, aber zu sehen ist nur eine Nebelwand rechts des Weges.
Nach meiner dritten Begegnung heute, einem Paar aus Berlin, mit denen ich mir die Picknickecke mit Aussicht auf den Nebel teile, geht es weiter nach Zarautz, und langsam lichtet sich auch der Nebel.
Bis man schließlich bis ans andere Ende der Bucht schauen kann.


Heute war ein Tag vieler kleiner Begegnungen. Angefangen schon heute morgen direkt vor meiner Ferienwohnung. Auf einmal kommt ein Hund bellend auf mich zu gerannt. Ich habe es gerade noch hinter die Türe geschafft, die er dann weiter angeknurrt hat.
Zum Glück waren alle anderen Begegnungen deutlich angenehmer. Mit einem Blick zurück verlasse ich Zarautz und es geht entlang des Küstenwegs nach Getaria.
Das Ort Getaria erreiche ich noch ohne Höhenmeter, doch denn kommen einige steile Anstiege hinauf zur Iglesia de San Martin in Askizu. Der Weg geht durch Weinberge und bietet immer wieder eine tolle Aussicht!


Auf der Küstenstraße hatte ich schon einen Franzosen getroffen, den ich hier nun wieder treffe. Nach einem Kaffee in Getaria geht es ihm besser und er erzählt, dass er auf dem Weg zu seiner Tochter in Bilbao ist.
Ab der Kirche geht es nun hinab nach Zumaia, dem Ende meiner Wanderung heute. Immer wieder kann man einen kurzen Blick auf die Stadt erhaschen. In Zumaia treffe ich einen Niederländer, der spontan einen Stück des Weges geht, 2 Damen aus South Dakota, USA, die ersten die erzählen, dass sie den ganzen Weg gehen wollen und schließlich am Bahnhof auf dem Weg nach Bilbao noch eine Schwedin.


In Bilbao angekommen, schaue ich mich erst einmal, bei schon leichtem Nieselregen in der Altstadt um.
Auch wenn für den ganzen Tag Regen angesagt war, habe ich mich zu einer Stadtführung durch die Altstadt von Bilbao angemeldet und bin danach noch zum Guggenheim Museum gelaufen. Alles trockenen Fußes, bis kurz vors Guggenheim.
Während der Stadtführung habe ich eine Studentin aus Oldenburg kennengelernt, die nach der Wanderung auf dem Camino noch einige Tage in Bilbao verbringt. Gemeinsam sind wir dann noch Pinitxos (Baskische Tapas) essen gegangen.
Lasst die Stadt selbst auf euch wirken.
Mit einem letzten Blick auf das Fußballstadion von Bilbao- wie ich gelernt habe der wichtigsten Kathedrale, geht es heute weiter nach Getxo immer dem Ria de Bilbao entlang.


Das Wetter ist heute Vormittag leider nicht ganz so gut, daher muss die Sonne von innen kommen. Kurz nach Bilbao treffe ich auf Rosanna, eine Italienerin, die zum ersten mal auf dem Camino ist. Da ihr Ziel Portugalete, also direkt gegenüber von Getxo ist, laufen wir die heutige Etappe gemeinsam.
Wir unterhalten uns blendend über die Gründe wieso man auf dem Jakobsweg ist, was jede von uns so macht und gehen schließlich noch gemeinsam in Getxo Mittagessen, bevor wieder jede ihren Weg geht.
Die Puente Colgante führ von Getxo nach Portugalete. Sie wurde von einem Schüler von Gustave Eiffels, Ferdinand Joseph Arnodin und Alberto Palacio entworfen. Die Türme sind 61m hoch und die Brücke ist 160m lang. In 40m höhe schwebt man über den Rio Bilbao. Die Brücke ist eine der wenigen Schwebefähren die heute noch funktionieren. Sie wurde mehrfach modernisiert, so dass heute sogar Autos mitfahren können.



Am Nachmittag erkunde ich noch den Hafen und Strand von Getxo.
In der Unterkunft lerne ich noch Romald kennen. Er ist ein 70-jähriger Pole der auf seinem 7. Camino ist. Und er läuft in ganz in 62 Tagen. Respekt!
Die Etappe von Getxo nach La Arena, fängt in Portugalete erst mal mit einer sehr schönen Überraschung an. Es geht zwar gleich zu Anfang sehr steil die Straße hoch, aber netterweise sind fast auf dem ganzen Weg Laufbänder. So komme ich über insgesamt 5 Laufbänder ganz bequem oben an.

Bei einem erzwungenen Stopp unter der Brücke lerne ich mehrere Einheimische Jogger kennen, die sich auch vor dem Regenguss unterstellen. Außerdem bekomme gleich einen Tipp bekomme, wo ich mich nach dem Regenguss wieder trocken legen kann, in der lokalen Bar, die nur ein paar Meter vom Camino weg ist.
Danach geht es weiter durch wunderschöne Landschaften.

Bis ich wieder an der Küste angelangt bin. La Arena ist meine letzte Laufstation für heute. Jetzt geht es nur noch mit dem Bus nach Puerto, wo ich für heute Nacht ein Zimmer habe. Hier sitze ich und genieße die Sonne, und lerne dabei noch 2 Damen aus den USA und einen Niederländer kennen, die auch für heute erst mal fertig sind.
Wenn es wieder aufhört regnen, bekommt ihr auch noch Bilder von Puerto :-)
Mit einem Blick zurück nach La Arena geht es auf in Richtung Castro Urdiales und das in 2 Tagen, da ich mich entschieden habe, den Streckenverlauf über das Hinterland zu nehmen.


Zunächst geht es schön an der Küste entlang auf dem Via Verde El Piquillo, der alten Trasse einer Werksbahn auf der Eisenerz transportiert wurde. Bis Ontón begleitet mich dieses Panorama.
Ebenso wie der nette französische Rentner, der mittlerweile schon auf seinem 4. Jakobsweg ist, seit er in Rente gegangen ist. Er erzählt mir die Geschichte wie er zum Pilgern gekommen ist und welche Hürden er bis zu seinem ersten Jakobsweg überwinden musste, auch das er ihn zwei mal gestartet hat. Es wird in seiner Geschichte deutliche, dass wenn man etwas nur wirklich will, dann kann man es auch erreichen.
Da er sich für den Weg an der Straße entlang entschieden hat, trennen wir uns in Ontón, nachdem wir kurz mit einem Spanier gesprochen haben. Der zu mir gesagt hat, das macht keinen Sinn den Weg ins Hinterland zu gehen, er ist nur länger und man sieht nichts als Bäume.
Und tja, was soll ich sagen, er hatte Recht. Weder der Weg nach oben ins Hinterland noch der wieder zurück an die Küste bieten Landschaftliche ausblicke. Tatsächlich nicht mehr als Bäume. Daher hier noch mal ein Bild von der Küste.

Wieder an der Küste angekommen habe ich heute Zeit mir Castro Urdiales anzuschauen. Ein schönes Städtchen das in einer schönen Bucht liegt.
Von Castro Uridiales geht es vorbei am Naturschwimmbad zunächst ins Hinterland.

Bergauf, bergab geht es bis kurz vor Islares, hier geht es wieder zurück an die Küste, mit einem wunderschönen Blick.
Als ich in El Pontarrón de Guriezo auf den Bus nach Laredo warte, treffe ich die ersten Pilger heute. Dafür gleich einige, die auch mit dem Bus weiter wollen. Unter anderem zwei junge Frauen aus dem Norden von Deutschland, die schon den zweiten Urlaub auf dem Camino del Norte verbringen und gerade wieder losgelegt haben.
Mit dem Blick auf Sanotoña, der ersten Station morgen und dem Sonnenuntergang von der Dachterasse des Hotels sage ich für heute gute Nacht.

Da wir alle mit der Fähre von Laredo nach Santoña müssen, treffe ich heute wohl die meisten anderen seit dem Start meiner Reise.
Gemeinsam geht es über den Pass Punta del Brusco.
Der durchaus beschwerliche Weg, der laut Reiseführer Trittsicherheit verlangt, lohnt sich allerdings.
Wieso schreiben die eigentlich immer nur Trittsicherheit und nicht Schwindelfreiheit?
Hier der Blick zurück auf Santoña.


Der Blick auf der anderen Seite zeigt ganz im Hintergrund schon Noja, ebenso wie den jetzt folgenden langen Strandspaziergang.
Auf dem unterhalte ich mich mit zwei Australierinnen, die den Weg komplett gehen. Sie haben sich, nach einem für beide eher bescheidenen Jahr, für eine drei monatige Auszeit entschieden und verbringen diese auf dem Camino.
In der Bucht von Noja trennen sich unsere Wege, da sie noch etwas weiter laufen und ich für heute hier bleibe und den Strand noch etwas genieße.


Wie es der Zufall so will ist in Noja heute Oktoberfest und Oldtimer VW treffen.
Von Noja geht es ins Hinterland in Richtung Gümes.
Hier die Kirche von Castillo.


Hoch und runter geht es heute durch wunderschöne Landschaften. Ich treffe zwei Pärchen aus USA und Schweden, die ich schon mehrfach gesehen habe, heute haben wir das gleiche Ziel und unterhalten uns unterwegs, wie auch im Restaurant in Gümes.
Im Hotel angekommen stehe ich gerade auf dem Balkon und hänge Wäsche auf, als die beiden Frauen aus Australien den Weg entlang kommen. Wir unterhalten uns kurz und sehen uns gleich in der Bar.
Aber jetzt möchte ich etwas tun, was ich sehr selten machen. Auch wenn alle Unterkünfte in denen ich bisher war gut waren, möchte ich diese hier gerne erwähnen. Denn so herzlich wie hier bin ich noch nirgends empfangen worden und auch das Zimmer und Wohnzimmer sind mit viel liebe zum Detail gestaltet, daher, wer nach Gümes kommt schaut nach dem Hotel Rural El Angel de la Guarda.

Am letzten Wandertag meiner Reise geht es mit vielen verschiedenen Gruppen über die Straße von Gümes nach Galizano. Ich treffe hier eine Gruppe von acht Personen aus Südafrika, ein Pärchen aus Deutschland, zwei Frauen aus Deutschland und die beiden Frauen aus Australien wieder.
Alle laufen wir, fröhlich lachend und uns unterhaltend, los mit dem Ziel- die beste Bäckerei auf dem Camino in Galizano.
Dort angekommen meint eine der deutschen Frauen auf einmal zu einer der Australierinnen, ich glaube ich habe deine Brille. Diese hatte sie seit drei Tagen mit sich getragen und hatte so ein Gefühl sie gehört der Australierin- und recht hatte sie. Eine Sonnenbrille mit verschreibungspflichtigen Gläsern kommen so nach Tagen wieder zurück zur Besitzerin.
Was nun folgt ist wohl eine der schönsten Etappen. Das Meer immer zur rechten geht es auf wunderschönen Küstenwegen vorbei an Buchten und Felsküste bis Somo.
Jeder von uns genießt diesen Weg in seinem eigenen Tempo und die Gruppe löst sich vorerst auf.
Bis wir uns alle auf der Fähre von Somo nach Santander wieder treffen. In Santander verabschiede ich mich von dem meisten, die nun entweder ihre Heimreise antreten, oder weiterlaufen. Die beiden Frauen aus Australien haben beschlossen wie ich noch etwas in Santander zu bleiben. Wir gehen gemütlich Mittagessen, was in den Abend hinein läuft.
Zwei volle Tage in Santander. Ein langer Spaziergang entlang der Küste von Santander. Teilweise mit Hürden, da man noch kurz über die Halbinsel La Magdalena ausweichen muss.
Santander erlebe ich als sehr spanische Stadt, denn man hört hier wenig andere Sprachen.
Ansonsten genieße ich eine wohlverdiente Massage und den Strand.
Mit dem Bus geht es nun wieder zurück nach San Sebastian, wo ich noch eineinhalb Tage habe, bevor es wieder zurück nach Hause geht. Im Bus treffe ich ab Bilbao ein deutsches Paar wieder die ich auf der letzten Etappe von Gümes nach Santander kennengelernt habe. Wir unterhalten uns angeregt und so vergeht die Fahrt wie im Flug. In San Sebastian angekommen, gönne ich mir bei wunderschönem Wetter noch einen halben Tag am Strand und kann sogar das Wasser genießen.

Bei einer Stadtführung erfahre ich einiges über die Geschichte von San Sebastian von der Piraterie über Privatiers hin zum Handel mit Walfett und dem Aufstieg als königliche Sommerresidenz.
San Sebastian ist wirklich eine Stadt zum schlendern und genießen.

Zum Abschluss darf ich noch einen wunderschönen Sonnenuntergang über der Bucht La Conche bewundern. Auf dem Bild sieht man auch warum die Bucht Muschel heißt.
Was ich euch aber nicht vorenthalten möchte sind die letzte Begegnung auf dem Weg nach Hause. Angefangen von dem Schaffner des ersten TGVs, der mir genau sagt, wo ich aussteigen muss, wie ich am schnellsten zur nächsten Metro komme und wo ich dort am besten ein- und aussteige. Dann bekomme ich noch einen insider Tipp und so schaffe ich es tatsächlich in 25 Minuten von Paris Montparnasse nach Gare de Lyon, eine Strecke die sonst eher 40-45 Minuten dauert, und erwische meinen Anschluss Zug noch. Vielen lieben Dank!
Und so geht eine wunderschöne Reise, mit vielen Begegnungen zu Ende. Von der Begegnung mit mir selbst, meinen Grenzen, aber auch meinen Möglichkeiten habe ich noch gar nicht geschrieben.





































