Du hast eine Aufgabe abgeschlossen. Ein Kollege oder deine Führungskraft lobt dich.
Was geht dir zuerst durch den Kopf?
Ein schlichtes „Danke“? Dann darfst du hier aufhören zu lesen.
- Vielleicht spürst oder hörst du aber eher etwas wie:
Das hätte ich noch besser machen können. - Eigentlich hätte es schneller gehen sollen.
- Da war noch ein kleiner Fehler.
Woher kommt denn dieses Gefühl immer noch mehr erreichen zu wollen? Wer oder was treibt dich denn in diesem Moment an?
Schauen wir uns dazu mal drei Innere Antreiber genauer an, vor allem im Hinblick darauf, wie sie sich auf dich auswirken.

Mach es allen recht
Du bist in einem Meeting. Eigentlich hast du eine andere Meinung, doch dein Kollege oder deine Führungskraft ist überzeugt. Um den Frieden zu wahren, bleibst du still.
Aber, den Rest des Tages kreisen deine Gedanken: Hätte ich doch etwas gesagt?
Vielleicht begleitet dich dieses Gefühl sogar in die Nacht.
Oder die Feiertage: Du versuchst, allen gerecht zu werden, jedem Teil der Familie, jede Einladung, jede Erwartung.
Am Ende bist du erschöpft und unruhig, weil deine eigenen Bedürfnisse auf der Strecke geblieben sind. Ein unterschwelliges Schuldgefühl bleibt, weil du ja auch etwas länger hättest bleiben können.
Streng dich mehr an
Du hast dein Ziel erreicht und doch kannst du dich kaum darüber freuen.
Lob fühlt sich leer an. Du denkst: Es geht immer noch besser, hast das Gefühl nie fertig zu sein.
Auch im Privaten zeigt sich dieser innere Antreiber.
Bei einer Fahrradtour mit Freunden musst du ganz vorne sein. Zweitbeste/r zu sein, macht dich gereizt, trotzig oder traurig.
Selbst kleine Pausen oder entspannte Momente fühlen sich unangenehm an, weil du sie als Verschwendung empfindest.
Deine Gedanken kreisen weiter, manchmal sogar nachts oder am Wochenende.
Von nichts kommt nichts
Erfolg muss hart erarbeitet werden, sonst ist er nichts wert.
Früher nach Hause gehen, obwohl Überstunden aufgebaut sind? Nicht möglich.
Ein Freund hat Geburtstag? Du bleibst bei der Arbeit. Die Sonne scheint? Du arbeitest trotzdem weiter.
Du spürst innerlich Unruhe, Druck und ein hartnäckiges Pflichtgefühl.
Deine Leistung wird zum Maßstab und vielleicht auch zum wichtigsten Teil deiner Identität.
Innere Antreiber sind nicht grundsätzlich problematisch, falsch oder gar schlecht. Sie geben Orientierung und haben dich vermutlich durch Ausbildung, Studium oder herausfordernde Projekte getragen. Dank ihnen hast du vieles erreicht, im Beruf, im Sport, im Privatleben.
Schwierig wird es, wenn sie nicht mehr situationsgerecht sind. Wenn sie deine Pausen blockieren, dich permanent unter Spannung halten oder dich über deine Grenzen treiben. Zum Beispiel bei deiner Fahrradtour mit Freunden. Ist es dort wirklich notwendig, vorne zu sein?
Dieses Beispiel zeigt, wann hilfreiche Motivatoren zu belastenden Dauerantreibern werden.
Besonders kritisch wird es, wenn deine Leistung das Einzige ist, worüber du dich definierst.
Im letzten Monat habe ich beschrieben, wie Engagement kippen kann. Dahinter stehen häufig genau solche inneren Muster. Und wie sie entstehen, habe ich in einem früheren Beitrag über das Spannungsfeld zwischen Kopf und Gefühl aufgezeigt.
Deinen eigenen Antreibern auf der Spur
Beobachte dich:
- Welche selbstkritischen Gedanken tauchen regelmäßig auf?
- Welche Zitate, Sprichwörter verwendest du häufig?
- Oft zeigt sich darin bereits ein roter Faden.
Innere Antreiber sind nicht dein Gegner. Sie haben dir vieles ermöglicht. Doch sie brauchen Führung.
- Wann sind sie hilfreich? Wann nicht?
- Wo willst du bewusst eine Grenze ziehen?
Vielleicht beginnst du heute damit, einfach wahrzunehmen, was dich antreibt.






